Der alte B-Plan Nr. 2


Symbolbild / K.I. generiertes Bild (ChatGPT)


„Überholt“ sei er und „veraltet“. Vieles muss sich der alte B-Plan Nr. 2 in den letzten Jahren vorwerfen lassen. Wir wollen auch nicht bestreiten, dass der B-Plan aus dem Jahre 1964 seine Schwächen hat, jedoch ist nicht alles falsch, was sich die „Stadtväter“ damals so dachten.

Wir finden, bevor man einen neuen Bebauungs-Plan aufstellt, sollte man zumindest die Grundintensionen des alten B-Planes Nr. 2 verstehen, schließlich hat dieser Plan unser Viertel über 60 Jahre lang nachhaltig geprägt.

Befasst man sich ein wenig genauer mit dem alten Plan, stellt man fest, das dieser durchaus erstaunlich modern und nachhaltig gedacht war. Vorgesehen war ein „gesund durchmischtes“ Viertel mit Einfamilien- und Mehrfamilien-Häusern, kleinen Geschäften, einer Kindertagesstätte, einer Seniorenpension, vier Spielplätzen und sehr viel privaten Grünflächen.

Ausschnitt aus den alten B-Plan Nr. 2: Man erkennt die typische Gestaltung von niedrigen Bungalows in Feldrandnähe und höheren Gebäuden zum Kern.

Kurze Wege, Wohnraum für jeden Geldbeutel und jede Altersklasse und eine grüne Lunge und Wasserretentionsflächen in Feldrandlage waren das Ziel. Alles Stadtentwicklungsziele, die in ihrer Aktualität bis heute nichts verloren haben.

Ausschnitt aus dem alten B-Plan Nr. 2: Auch eine KiTa war damals im Viertel geplant.

Leider ist man in den Jahren von einigen dieser Jahre abgewichen: Statt einer KiTa oder Altenpension wurden die Grundstücke nachträglich in weiteres reines Wohngebiet umgewidmet. Insbesondere im Bereich westlich der Eichendorff-Straße wurde ein neuer B-Plan aufgestellt, der die ursprünglichen Ziele einer nachhaltigen Bauweise für Jung und Alt über Bord warf und Bauträgern stattdessen eine relative dichte Bebauung mit Doppelhaushälften erlaubte.

Wer jedoch glaubt, dass es sich hierbei um die vielfach genannten „Befreiungen“ handelt, auf die sich die Stadt in ihrer Begründung für die Neuaufstellung des Bebauungsplans beruft, den muss ich enttäuschen. Insbesondere für das anders gestaltete Gebiet westlich der Eichendorffstraße wurden zwei eigenständige neue Bebauungspläne (Nr. 11 und 11.1) aufgestellt. Diese Änderungen können daher nicht als Begründung für den neuen Bebauungsplan Nr. 89 herangezogen werden.

Ausschnitt aus dem alten B-Plan Nr. 2: Abgebildet ist das Gebiet in der Eichendorffstraße: Dort sollte ein kleiner Supermarkt, eine Altenpension und ein weiterer Kinderspielplatz entstehen. All das wurde später mit der Aufstellung der B-Pläne „Eichendorffstraße 11.1 und 11.2“ zugunsten enger Wohnbebauung geändert.

Trotz der Änderungen blieben wichtige Charakterzüge des Viertels erhalten, vor allem die für damalige Verhältnisse innovative Idee einer „gestaffelten Bebauung“ – flach in Feldrandlage, höher weiter innen und Mehrfamilienhäuser im Stadtkern – hat unser Viertel bis heute nachhaltig geprägt und zu dem großartigen Wohngefühl beigetragen, dass sich bis heute bewahrt hat.

Dies wurde sehr präzise im alten B-Plan festgehalten:

Das Ergebnis ist ein grünes Viertel, welches sich durch einen hohen Naherholungswert auszeichnet und in dem nicht die gleichen Fehler gemacht wurden wie in anderen „Trabantenstädten“ im Frankfurter Speckgürtel.

Man merkt es gleich: Während man im Stadtkern schon über aufgestaute Sommerhitze klagt (hoffentlich mit einem Eis in der Hand), ist es in unserem Viertel noch erträglich kühler, oftmals mit einem leichten Windzug.

Quelle: Google Maps

Für dieses Wohngefühl kämpfen wir heute und der eine oder andere hofft sogar, dass ein neuer B-Plan nicht nur den alten Idealen Rechnung trägt, sondern die Idee mit modernen Methoden der Stadtentwicklung weiterführt. Doch gleichzeitig ist die Furcht groß, dass in Zeiten leerer Kassen für eine nachhaltige und „lebenswerte“ Stadtplanung kein Geld da ist, und vielmehr andere Überlegungen bei der Planung überwiegen.


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